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Von Ernst P. Strobl | Salzburger Nachrichten
Bejun Mehta hat es als Countertenor zu Ruhm gebracht. Im Gluck-Jahr steht er vielmals als Orfeo auf der Bühne, im Februar wird der Film “Orfeo ed Euridice” präsentiert. 

Er zählt zur handverlesenen Crème de la Crème der Countertenöre, der 45-jährige Bejun Mehta. Zur Mozartwoche in Salzburg feierte er als Orfeo in der Oper “Orfeo ed Euridice” von Christoph Willibald Gluck den nächsten großen Erfolg seiner damit reich gesegneten Karriere. Der Amerikaner, der in Berlin lebt – dort erreichten ihn die SN auch am Telefon -, ist im aktuellen Gluck-Jahr anlässlich des 300. Geburtstags des Komponisten als Orfeo schwer beschäftigt. Nicht nur auf der Bühne, auch im Film stellt Bejun Mehta die mythologische Figur dar. Orfeo sei für ihn wie eine Reise, sagt Mehta, der es sich zwischen den Aufführungen in Salzburg zu Hause in Berlin gemütlich macht, wie er sagt. Reisen im Allgemeinen liebt er dagegen weniger, aber es sei eben Teil des Berufs. Viel reisen zu müssen sei schwierig, man verpasse “so viel, Freunde und Familie, und wenn man ein paar freie Tage hat, will man natürlich zu Hause sein und nicht in irgendeinem Hotel”. Eiskalt sei es gerade in Berlin, sagt Mehta. Doch Orfeo werde ihn in den kommenden Wochen in wärmere Gegenden, unter anderem auf die Kanarischen Inseln, führen. Orfeo zu singen, das sei für ihn wie eine lange Reise, “deswegen verstehe ich die Partie so gut”, lenkt Mehta zurück zu Orfeo.

Ist das nun seine Paraderolle, sängerisch und inhaltlich? “Ich bin damit sehr glücklich. Ich habe ein paar Paraderollen, aber Orfeo ist neben der großen sängerischen Aufgabe – weil man immer auf der Bühne ist und immer singt – auch eine schauspielerische Herausforderung. Wie stellt man das dar, dass dieser Druck immer weitergeht und schlimmer und schlimmer wird? Das zu schaffen ist immer mein Ziel. Zu zeigen, wie der Druck auf der Figur sich vermehrt.”

Orfeo schafft es, seine verstorbene Euridice unter vielen Gefahren aus dem Totenreich zurückzuholen, scheitert aber zuletzt an den Bedingungen, weil er gegen das Gebot verstößt, sich nach Euridice umzudrehen. Auch wenn Bejun Mehta viel Erfahrung hat, ist bei seinen Vorstellungen von der Figur auch ein Regisseur gefordert.

Seinen ersten Festspielerfolg in Salzburg feierte Bejun Mehta übrigens in Mozarts früher Opera seria “Mitridate, Re di Ponto” in der tollen Inszenierung von Günter Krämer im Residenzhof, an die man sich gern erinnert. Regie interessiert auch Mehta, der erzählt, dass er mittlerweile am liebsten mit Regisseuren wie Claus Guth, Christof Loy oder Robert Carsen arbeite. Claus Guth – “mein Lieblingsregisseur” – inszenierte mit ihm Händels Oratorium “Messiah” im Theater an der Wien. Diese Produktion, quasi eine “Neuschöpfung”, wird beim kommenden Festival “Osterklang” wieder aufgenommen.

Vor wenigen Monaten spielte Bejun Mehta in einem “Orfeo”-Film die Titelrolle. “Wir haben den Film in Prag gemacht und vor allem im alten Barocktheater von Cesky Krumlov. Ich war natürlich Orfeo, aber ich war auch engagiert als künstlerischer Berater. Das war ein riesiger Job. Und es war mein Konzept”, sagt Bejun Mehta. “Wir wollten einen Grund finden, warum wir dieses Theater nutzen wollten. Das ist keine Verfilmung einer Aufführung mit Publikum. Wir haben ein Drehbuch geschrieben eigentlich für die Kameras.” Und weiter: “Eine Woche lang habe ich praktisch zehn Stunden pro Tag singen müssen, live. Und am Ende hatte ich immer noch eine Stimme. Das verdanke ich meiner Technik. Das historische, wunderschöne Theater steht da als Zeichen des Barock, den Euridice liebt. Dann kommt die Trennung und Orfeo, der die Barockzeit nicht so mag, muss auf die Reise gehen, um seine Euridice zu finden und dann wieder in den Barock zu bringen.”

Klingt wie eine Zeitreise? “Wir wollten das spiegeln, was Gluck und sein Librettist Calzabigi gemacht haben. Diese Partitur steht heute als Zeichen, wie die damals den Barock verlassen wollten und die Oper und Musik ein bisschen weiterbringen wollten.” Die Produzenten in München hatten “großes Vertrauen, die wollten es anfangs anders machen. Ich fand das Konzept besonders in diesem Theater nicht so interessant. Ursprünglich war das Budget so um die 100.000 Euro, als ich mit meinem Konzept kam, verfünffachte sich das. Das ist ein Zeichen von Vertrauen”. Am 9. Februar wird “Orfeo” in der Berliner Philharmonie erstmals präsentiert. Mittlerweile wurde der Film an TV-Sender in Skandinavien, Frankreich und Japan verkauft, “Österreich hat sofort zugegriffen”. Dass kein deutscher Sender “anbiss”, findet Bejun Mehta aber “skandalös.”

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