Biografie (Deutsch)

Bejun Mehta Biografie

Bejun Mehta

„Bejun Mehta ist auf der heutigen Opernszene wohl der ideale Orpheus, ein Künstler, der die Technik und die Stimmfarben seines Countertenors perfekt ausstellt, der den mythischen Sänger des Liebesschmerzes in all seinem Gefühlschaos vollendet verkörpert. Nicht nur im vokalen Prunkstück der Oper, der weltberühmten Verlust-Klage “Che farò senza Euridice”, bietet Mehta, ohne je die strenge melodisch-rhythmische Kontrolle aufzugeben, den tief empfundenen Affekt.“ –Wolfgang Schreiber,Im Krematorium”, in: Süddeutsche Zeitung, 21.03.2016

 

Bejun Mehta begann bereits als Knabe eine internationale Karriere als Solo-Sopran. Nach dem Stimmbruch spielte er Cello und arbeitete als selbstständiger Aufnahmeleiter für Labels wie Sony Classical, Deutsche Grammophon und BMG/RCA, bevor er wieder zum Gesang zurückkehrte. Inzwischen ist der gebürtige Amerikaner einer der international gefragtesten Countertenöre und regelmäßiger Gast an allen führenden Opern- und Konzerthäusern der Welt.

In der Spielzeit 2016/17 ist er „Artist in Residence“ der Dresdner Philharmonie, wo er zur Saisoneröffnung und in drei weiteren Programmen seine Vielseitigkeit als Künstler präsentieren kann, indem er als Sänger auftritt und für zwei Programme selbst die Leitung übernimmt. Neben barocken Solokantaten singt er dort Auszüge aus Oratorien und Opern von Händel und Mozart sowie „Dream of the Song“, eine für ihn geschriebene Solokantate von George Benjamin, die er im Herbst 2016 ebenfalls mit dem Orchestre de Paris unter Daniel Harding sowie Anfang 2017 mit dem Boston Symphony Orchestra unter Andris Nelsons in Boston und an der Carnegie Hall in New York aufführt. Im Opernbereich ist er als Hamor in der von Ivor Bolton dirigierten Neuproduktion des Händel Oratoriums Jephtha an der De Nederlandse Opera Amsterdam, als Bertarido in der Händel Oper Rodelinda am Teatro Real Madrid und als Farnace in Mozarts Mitridate am Royal Opera House Covent Garden London zu erleben. Mit seinem Arien Programm Mi palpita il cor geht Bejun Mehta im Frühjahr 2017 auf Spanien-Tournee.

Interessante Aktivitäten der letzten Zeit waren die Partie Angel 1/Boy, eine speziell für ihn geschriebene Rolle in der Oper Written on Skin von George Benjamin (Aix-en-Provence, De Nederlandse Opera, Royal Opera House), die Uraufführung von George Benjamins Dream of the Song mit dem Königlichen Concertgebouw-Orchester Amsterdam und Benjamin selbst als Dirigenten, die Weltpremiere von Toshio Hosokawas Stilles Meer an der Hamburger Staatsoper (Rolle des Stephan) sowie eine Neuproduktion von Glucks Orfeo ed Euridice unter der Leitung von Daniel Barenboim an der Staatsoper Unter den Linden. Auch bei den Salzburger Festspielen 2016 war er wieder zu hören, in Händels Belshazzar mit der Accademia Bizantina unter der Leitung von Ottavio Dantone und mit seinem Kammermusikprogramm Mi palpita il cor mit dem Barockensemble La Nuova Musica. Neben seinen Engagements als Sänger fängt er inzwischen auch an, Dirigate zu übernehmen, wie etwa während seiner Residenz in Dresden, und gibt Meisterkurse für Gesang, zuletzt beim Young Singers Project im Rahmen der Salzburger Festspiele 2015.

Bejun Mehta hat eine vielfältige Diskografie: Seine letzte Solo-CD, eine Sammlung klassischer Arien mit dem Titel Che puro ciel (Akademie für Alte Musk Berlin/Jacobs/Harmonia Mundi), wurde im Herbst 2014 veröffentlicht und mit dem Diamant d’Opera Magazine sowie dem Choc de Classica ausgezeichnet und war auf der Shortlist für den Gramophone Award 2014 in der Kategorie Rezital. Seine CD Down by the Salley Gardens mit englischen Liedern erschien im November 2011. Seine Händel-Aufnahme Ombra Cara (Freiburger Barockorchester/ Jacobs/Harmonia Mundi) wurde mit dem Echo Klassik 2011 in der Kategorie „Operneinspielung des Jahres“ ausgezeichnet. 2016 wurde im Rahmen der hauseigenen Serie des Concertgebouw Orchestras RCO Live’s Horizon die Live-Aufnahme von George Benjamin‘s Dream of the Song mit dem Royal Concertgebouw Orchestra unter dem Dirigat des Komponisten veröffentlicht. 2014 brachte die Deutsche Grammophon/Archiv eine neue komplette Studio-Aufnahme von Orlando mit Bejun in der Titelpartie heraus (B’Rock/Jacobs), die auf der Shortlist des Preises der Deutschen Schallplattenkritik stand. Ebenfalls 2014 erschien bei Arthaus eine Filmversion von Glucks Orfeo ed Euridice, in welcher Bejun Orfeo verkörperte und gleichzeitig künstlerischer Berater der Produktion war. Bejun hat in Pablo Heras-Casados Debüt-Aufnahme El Maestro Farinelli bei der Deutschen Grammophon/Archiv (2014) einen Cameoauftritt und singt zwei von Farinellis bekanntesten Arien. Außerdem sind auf CD und DVD erhältlich: George Benjamin’s Written on Skin (Nimbus CD–BBC Magazine 2014 Premiere Recording of the Year; Opus Arte DVD–2013 Royal Opera House, 2014 Gramophone Award-Contemporary, 2014 Diapason D’Or, 2014 Edison Klassiek), Agrippina (BBC Music Magazine’s 2012 Opera Award und nominiert für einen Grammy als beste Operneinspielung des Jahres) und Belshazzar (beides bei Harmonia Mundi), Theodora (C-Major Entertainment/Unitel, auf der Shortlist des Preises der Deutschen Schallplattenkritik), Mitridate (Decca), Messiah (Unitel Classics), Britten’s A Midsummer Night’s Dream (Glyndebourne Label) und Rodelinda (Belvedere DVD, 2011 Theater an der Wien/Concentus Musicus Wien/ Harnoncourt).

Diverse Fernsehporträts u.a. bei Arte, ARD, ORF 2, TW-1 und CBS-TV wurden über Bejun Mehta gesendet. Er wurde für den Laurence Olivier Award nominiert (Royal Opera House Orlando 2007) und hat 2015 den Traetta Prize erhalten. Zudem hat Bejun Mehta einen Abschluss der Yale Universität in deutscher Literatur.

 

Last update: September 5, 2016

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